Autismus stärker im gesellschaftlichen Fokus

31.08.2026

Autismus stärker im gesellschaftlichen Fokus
Autismus stärker im gesellschaftlichen Fokus

Lebenshilfe Augsburg plant neues Förderangebot für 36 Kinder: Das „Haus KOMpASS“ soll eine Versorgungslücke für Kinder und Jugendliche mit erweitertem Unterstützungsbedarf in Schwaben schließen. Bilderquelle: © Lebenshilfe / David Maurer

Autismus ist zunehmend ein gesellschaftliches Thema. Immer mehr Kinder und Jugendliche im Autismus-Spektrum benötigen Angebote, die ihren besonderen Wahrnehmungs-, Kommunikations- und Entwicklungsbedürfnissen gerecht werden. Insbesondere für junge Menschen mit einer geistigen Behinderung und erweitertem Unterstützungsbedarf fehlen jedoch geeignete Schul- und Tagesstättenplätze. Das stellt Familien, Schulen und soziale Einrichtungen vor große Herausforderungen.

Die Lebenshilfe Augsburg plant deshalb in Königsbrunn ein spezialisiertes Bildungs- und Förderangebot für bis zu 36 Kinder und Jugendliche: das „Haus KOMpASS“. Das Angebot richtet sich nicht ausschließlich an Kinder im Autismus-Spektrum, sondern grundsätzlich an junge Menschen, die eine besonders verlässliche, intensive und passgenaue Unterstützung benötigen. Ein großer Teil der künftigen Schülerinnen und Schüler wird voraussichtlich dem Autismus-Spektrum angehören.

Die besondere Schreibweise „KOMpASS“ bringt zwei fachliche Schwerpunkte des Hauses zum Ausdruck: „KOM“ steht für die besonderen Kommunikationsformen, mit denen viele der Kinder und Jugendlichen unterstützt werden. „ASS“ verweist auf die Autismus-Spektrum-Störung, da ein großer Teil der künftigen Schülerinnen und Schüler dem Autismus-Spektrum angehören wird. Zugleich steht der Name Kompass für Orientierung, Sicherheit und individuelle Entwicklungswege.

„Wir erleben seit Jahren, dass sich die Bedarfslagen deutlich verändern“, erklärt Peter Goldammer, Vorstandsvorsitzender der Lebenshilfe Augsburg. „Immer mehr Kinder benötigen individuelle Kommunikationswege, verlässliche Strukturen, reizreduzierte Lernumgebungen, eine ausgeprägte räumliche und zeitliche Strukturierung sowie eine intensive multiprofessionelle Begleitung. Mit dem Haus KOMpASS wollen wir eine konkrete Antwort auf diese Versorgungslücke geben.“

Kleine Gruppen und verlässliche Bezugspersonen
Das Haus KOMpASS soll als Erweiterung des Förderzentrums Brunnenschule entstehen. Vorgesehen sind sechs Klassen mit jeweils sechs Kindern. Ein multiprofessionelles Team aus Lehrkräften, pädagogischen Fachkräften sowie Therapeutinnen und Therapeuten soll die Kinder und Jugendlichen begleiten.

Unterricht, heilpädagogische Förderung und Therapie werden fachlich eng aufeinander abgestimmt. Grundlage ist eine gemeinsame, am individuellen Bedarf des Kindes orientierte Förderplanung. Die rechtlichen und finanziellen Verantwortungsbereiche von Schule und Heilpädagogischer Tagesstätte bleiben dabei klar abgegrenzt.

Strukturierte Tagesabläufe, reizreduzierte Räume und Rückzugsmöglichkeiten sollen den Kindern Orientierung und Sicherheit geben. Unterstützte Kommunikation und individuelle Hilfsmittel ermöglichen auch Kindern, die nicht oder kaum lautsprachlich kommunizieren, ihre Bedürfnisse auszudrücken und am schulischen und sozialen Leben teilzunehmen.

Erfahrungen aus den Intensivklassen
Die Lebenshilfe Augsburg verfügt bereits über langjährige Erfahrungen in der Förderung von Kindern und Jugendlichen mit erweitertem Unterstützungsbedarf. Ein großer Teil dieser Kinder gehört dem Autismus-Spektrum an. In den Intensivklassen der Brunnenschule werden sie in kleinen und verlässlichen Strukturen begleitet.

Die Erfahrungen zeigen: Wenn Räume, Kommunikation, Tagesabläufe und personelle Begleitung konsequent am individuellen Bedarf ausgerichtet werden, lassen sich Überforderung und Krisen reduzieren. Gleichzeitig entstehen neue Möglichkeiten für Bildung, persönliche Entwicklung und soziale Teilhabe.
„Nicht das Kind muss sich an das System anpassen – sondern das System an das Kind“, fasst Goldammer den pädagogischen Grundgedanken zusammen. „Dafür wollen wir mit dem Haus KOMpASS die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen.“

Entlastung für Kinder und Familien
Für Familien bedeutet ein geeigneter Förderplatz weit mehr als schulische Bildung. Viele Kinder benötigen über den gesamten Tag hinweg verlässliche Strukturen und Menschen, die ihre Kommunikations- und Wahrnehmungsbedürfnisse verstehen. Gut aufeinander abgestimmte schulische, heilpädagogische und therapeutische Angebote geben den Kindern Sicherheit und entlasten zugleich ihre Familien.

„Unser Sohn braucht feste Strukturen, verlässliche Bezugspersonen und Menschen, die seine Bedürfnisse verstehen“, sagt Kerstin Hillenbrand, Vorsitzende des Elternbeirats der Brunnenschule und Mutter eines Schülers. „Ein Ort, an dem Schule, Tagesstätte und Therapie gut ineinandergreifen, wäre für viele Kinder eine große Chance. Sie könnten dort Wertschätzung und Selbstwirksamkeit erfahren und im Rahmen ihrer Möglichkeiten lernen und wachsen.“

Auch Carolina Trautner, Landesvorsitzende der Lebenshilfe Bayern und Schirmherrin der geplanten Einrichtung, begrüßt das Vorhaben: „Kinder und Jugendliche mit sehr hohem Hilfebedarf brauchen gezielte Angebote in Schule und Tagesstätte. Das geplante Vorhaben ist ein dringend notwendiger Beitrag zur Teilhabe an Bildung, Förderung und sozialem Leben.“

Schulischer Flächenbedarf ist anerkannt
Das fachliche Konzept wurde der Regierung von Schwaben vorgestellt. Der schulische Flächenbedarf ist anerkannt; für den schulischen Teil des Vorhabens sind Mittel im Staatshaushalt eingeplant. Für den Bereich der Heilpädagogischen Tagesstätte sind noch weitere förderrechtliche und finanzielle Abstimmungen erforderlich.
Parallel arbeitet die Lebenshilfe Augsburg an der baulichen und organisatorischen Planung. Ziel ist es, gemeinsam mit den zuständigen Ministerien, der Regierung von Schwaben, dem Bezirk Schwaben und der Stadt Königsbrunn eine verlässliche Grundlage für die Umsetzung zu schaffen.

Gemeinsam Zukunft bauen
Die öffentliche Förderung deckt voraussichtlich nicht alle Ausstattungen und zusätzlichen Förderangebote ab. Für ergänzende Fördermaterialien, Kommunikationshilfen und weitere individuell angepasste Ausstattungen ist die Lebenshilfe Augsburg daher auf Unterstützung angewiesen.
Spendenkonto
Stiftung Lebenshilfe Augsburg
IBAN: DE06 7205 0000 0000 0182 18
Verwendungszweck: Haus KOMpASS

Über die Lebenshilfe Augsburg
Die Lebenshilfe Augsburg begleitet Menschen mit Behinderung und ihre Familien in unterschiedlichen Lebensphasen. Ihre Angebote umfassen unter anderem Bildung und heilpädagogische Förderung, Wohnen, tagesstrukturierende Beschäftigung, ambulante Unterstützung sowie offene und familienentlastende Hilfen. Ziel ist es, individuelle Entwicklung, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.

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